Wie läuft eine freie Trauung eigentlich ab? Aus welchen Phasen besteht die Zeremonie? Was ist alles möglich? Anja Happe von Goldröschen klärt euch auf.

Frei Trauungen erfreuen sich einer immer größeren Popularität in Deutschland. Viele Brautpaare wählen diese Form der sehr persönlichen und individuellen Trauzeremonie, um ihren Hochzeitstag ganz genau so zu gestalten, wie sie es sich immer vorgestellt haben.

Doch nicht jedes Paar hatte bisher die Gelegenheit, eine freie Trauung persönlich erleben zu können und fragt sich, was passiert denn eigentlich während der Zeremonie? Die freie Rednerin Anja Happe von Goldröschen klärt euch heute bei uns im Blog auf. Die Bilder, die wir euch zeigen, sind im Rahmen eines Styleshoots entstanden, bei dem Anja als Traurednerin beteilgt war. Und auch ein Video des Styleshoots, bei dem ihr die freie Trauung sehen könnt, haben wir für euch.

Die wichtigste Info zuerst: Jede Zeremonie kann ganz spezifisch nach den Wünschen, Vorstellungen und dem Bedarf des jeweiligen Brautpaares ausgerichtet und gestaltet werden. Die einen möchten gerne eine lange Trauung mit Einbindung möglichst vieler Familienmitglieder und Freunden, das nächste Paar wählt eine ganz intime Feier nur mit dem Trauredner und eventuell den eigenen Kindern, oder das Paar entscheidet sich für eine freie Trauung im wortwörtlichen Sinn und feiert im Garten.

Doch eines haben alle Zeremonien gemeinsam: Sie wurden im Vorfeld mit einem Redner geplant, besprochen und genau auf das Brautpaar maßgeschneidert. Der genaue Ablauf der Zeremonie ist dabei so individuell wie das Paar selber. Anbei möchte ich Euch eine mögliche Variante vorstellen, um ein besseres Verständnis darüber zu geben, was überhaupt alles möglich ist.

1. Die Begrüßung

Für einige Eurer Gäste wird Eure freie Trauung die erste sein, an der sie teilnehmen dürfen. Manchmal herrscht ein wenig Unsicherheit, was auf die Familien und Freunde zukommt. Vor der offiziellen Trauung spreche ich persönlich gerne einige Worte zu den Gästen, um diese auf Eure persönliche Zeremonie einzustimmen. Was erwartet die Familie, warum haben sich aller an diesem Tag versammelt und welche organisatorischen Aspekte (ich sag nur: Handy’s aus) sollten berücksichtig werden. Nach den kurzen Begrüßungsworten sind dann alle auf den ersten großen Moment, einer meiner persönlichen Höhepunkte einer jeden Trauung, bestens vorbereitet:

2. Der Einzug

Ich liebe diesen Moment, wenn alle die Luft anhalten und den ersten Blick auf die Braut bzw. das Brautpaar erhaschen. Meistens fließen hier schon die ersten Tränen und die Anspannung ist förmlich spürbar. Endlich ist er da: Der ganz große Moment, auf den ihr Euch monatelang vorbereitet habt. 

Für den Einzug gibt es klassischerweise 3 Varianten:
In der modernen Interpretation ziehen die Brautleute zusammen ein und genießen als Paar diesen Augenblick – ganz bewusst gemeinam.
Die amerikanische Variante erfreut sich mittlerweile auch in Deutschland einer immer größeren Beliebtheit. Hier zieht als erstes der Bräutigam mit seinen „Groomsmen“ ein, danach folgt die Braut mit ihren „Bridesmaid“, die meist in farblich abgestimmten Kleidern erscheinen. Diese Form des Einzugs ermöglicht sowohl ihm als auch ihr den ganz großen Auftritt, der meist auch noch extrem fotogen ist. 
Die klassischste aller Varianten ist sicherlich die „Übergabe“ der Braut durch den Vater bzw. einen männlichen Begleiter ihrer Wahl. Der Bräutigam steht bereits vorne und alle Gäste erheben sich für ihren Einzug. Kaum ein anderer Einzug gewährt der Braut so uneingeschränkt ihren großen Auftritt mit Freudentränen-Garantie. 
Viele Paare entscheiden sich bei dieser Version auch für den First Look in genau diesem einen Glücksmoment. Der Bräutigam sieht seine Braut das erste Mal und in den allermeisten Fällen sehe ich es in den Augen der Männer glitzern. Ein unbeschreiblich romantischer und einzigartiger Augenblick. Solltet ihr Euch dafür entscheiden, dass Euer Vater Euch quasi an Euren zukünftigen Ehemann übergibt, nutzen die meisten Väter übrigens diesen Zeitpunkt für ein paar kurze Worte an Euren zukünftigen Ehemann.

3. Die Rede

In Vorbereitung auf Eure freie Trauung habt ihr meist sehr viel Zeit mit Eurem Hochzeitsredner verbracht. Ihr habt mit ihm oder ihr gelacht, in Erinnerungen geschwelgt, vielleicht auch geweint, und meist auch einen gemeinsamen Blick in Eure Zukunft geworfen. All diese großen und kleinen Geschichten werden in Eurer persönlichen Ansprache zusammengefasst. Ihr blickt gemeinsam mit Euren Gästen noch einmal zurück auf die Anfänge Eurer Liebesgeschichte, erlebt noch einmal die guten und die schweren Zeiten und führt Euch bewusst vor Augen, warum ihr den anderen so sehr liebt.

Viele dieser Anekdoten sind für Euch und Eure Gäste bekannt, einige werden sicherlich das eine oder andere neue Detail erfahren. Immer schön und emotional, niemals peinlich. Doch eins ist sicher: der erste gemeinsame Gesprächsstoff und damit Eisbrecher für die anschließende Feier ist gelegt. Denn wer wusste bis dahin schon, wie der erste Kuss damals von statten lief und was ihre schlagfertige Antwort auf seine ersten Annäherungsversuche war?

4. Traurituale und die Einbindung von Familien und Gästen

Nach der persönlichen Beziehungsgeschichte folgt oft ein Ritual, welches sich das Brautpaar gewünscht hat. Dieses Ritual kann die Zusammengehörigkeit des Paares symbolisch darstellen, den neuen Lebensabschnitt einläuten, der Familie und den Freunden die Dankbarkeit über die bisherige gemeinsame Zeit zum Ausdruck bringen oder auch gute Wünsche für die gemeinsame Zukunft beinhalten. Erlaubt ist was gefällt und der Kreativität sind hierbei keine Grenzen gesetzt. Ich gehe hier bewusst nicht auf die unendliche vielen Möglichkeiten der Rituale ein, denn genau das sollte jedes Paar gemeinsam mit seinem Trauredner besprechen und auch individualiseren.
Einer der emotionalen Höhepunkte schließt sich meist im Anschluss an das oder die gewählten Rituale an.

5. Die Traufrage und der Ringtausch

Die Traufrage und der anschließende Ringtausch sind quasi das Herzstück einer jeden Trauzeremonie. Und das ganz unabhängig ob man sich für eine kirchliche, spirituelle oder freie Trauung entschließt. In keinem Moment der Trauung wird das nach außen sichtbare Symbol der ewigen Liebe und Zusammengehörigkeit des Brautpaares so plastisch zelebriert wie in diesem.
Meist wählen die Paare zwischen zwei Varianten für diese symbolträchtige Handlung: Entweder, der Trauredner stellt den Paaren die Traufragen, welche dann aus freien Stücken und mit ganzem Herzen mit JA beantwortet werden sollten, oder das Paar gibt sich vor Familien und Freunden ein ganz persönliches Eheversprechen, in dem es seine Liebe für den jeweils anderen zum Ausdruck bringt.

Nach dem gegenseitigen Anstecken der Ringe folgt normalerweise der wohl berühmteste Satz einer jeden Trauung: „Sie dürfen die Braut jetzt küssen.“ Aus dem Brautpaar ist nun auch ganz offiziell ein Ehepaar geworden, welches seine Liebe und Verbundenheit von diesem Tag an mit dem sichtbaren Ehering am Finger besiegelt hat.
Nach diesem emotionalen Höhepunkt der Zeremonie finde ich persönlich es sehr schön, die Trauung langsam enden zu lassen. Familie und Freunde wollen dem frisch vermählten Paar nun gratulieren, es in die Arme schließen und hoch leben lassen.

6. Der Auszug

Nach einigen abschließenden Worten kann die Zeremonie nun enden (wobei es natürlich auch die Möglichkeit gibt, nach dem Ringtausch noch weitere Elemente wie ein Ritual, einen Vortrag von Freunden oder einen weiteren Wortbeitrag einzuplanen).
Für den Auszug des Paares bieten sich meist zwei Varianten an:
Das Paar zieht gemeinsam als erstes aus und erwartet am Ausgang seine Gäste für einen Sektempfang und natürlich für die ersten Gratulationen. Bei der zweiten Variante ziehen als erstes die Gäste aus und bilden für das frischvermählte Paar ein Spalier, durch das die Eheleute hindurch schreiten, gerne begleitetet von Seifenblasen oder Wedding Wands und natürlich dem Applaus der Gäste.

Im Anschluss an die Zeremonie kann nun die Hochzeitsfeier beginnen!



Beteiligte Dienstleister am Styleshoot "Fuchsliebe"

Traurednerin und Vintage-Geschirr: Goldröschen
Konzeption, Papeterie, Banner: Designerseits – Grafisches Glück
Fotografie: Evelina Galinis Fotografie
Videografie: Mallasch Video&Schnitt
Floristik & Location: Ideenschmiede Ramona Kuhnig
Styling: Lovely Beauty Corner
Brautkleid: Noni
Bräutigam: Eiskirch Atelier
Accessoires: BeWooden
Torte und Sweets: Konditorei Kartenberg
Ringe: Jutta Ulland
Holz-Tischdeko: mydeco online
Brautpaar: Celine und Kevin